Wir Kinder vom Bahnhof Zoo

Für manche Fotografen ist es ein No-Go Obdachlose zu fotografieren. Dem stimme ich in soweit zu - und zwar dann, wenn die Obdachlosen mit dem Teleobjektiv und ohne Annäherung heimlich 'abgeschossen' werden. Schlafende Obdachlose zu fotografieren ist keine Kunst - hier wird der Schnappschuss zum Blattschuss.

Doch so muss das nicht sein. So kam das Projekt 'Wir Kinder vom Bahnhof Zoo' zustande - benannt nach dem gleichnamigen Film, der im Milieu rund um den Bahnhof 'Zoologischer Garten' in Berlin spielt.
Der Bahnhof war schon immer ein Anziehungspunkt für Penner, Drogenabhängige, Stricher und andere Freaks - das Ende der Gesellschaft befindet sich gleich an der Bahnhofsmission. Es stinkt nach Urin - überall liegen sie herum - benebelt vom Alkohol versuchen sie ihrem Schicksal zu entkommen. Es gibt aber kein Entkommen - nur leere Bierdosen und Schnapsflaschen. Genau dort halte ich mich mit meiner Kamera auf - nicht um abzuschießen, sondern um den Kontakt zu suchen. In unzähligen Gesprächen entstanden so Fotos von den Gestrandeten der Gesellschaft, die man als 'Street-Porträts' bezeichnen könnte. Immer mit Respekt. Viele sind dankbar, dass ihnen jemand für kurze Zeit zuhört. Sie fühlen sich beachtet und wichtig. Genau das zählt - und macht meine Fotos so einzigartig. Das Projekt hat kein Ende - es läuft nebenher immer weiter. Denn die 'Kinder vom Bahnhof Zoo' werden nicht weniger.